Streckenflugtag Weissenstein vom 21.05.2018


Pfingstmontag, 21.05.18 Weissenstein

Mit Päuli Tresch, Pius Betschart, Iwan Lussmann und Beat Walker

Weissenstein

Anreise
Der Pfingstsonntag war wettermässig kein Hammertag. Die weitesten Flüge im XContest lagen bei 50km. So habe ich diesen anderweitig genutzt. Am Abend jedoch, rief mich Iwan an. Wir haben uns spontan für den kommenden Morgen verabredet und dazu ein WhatsApp im im Chat von Paragliding Urnersee platziert.
Da das Wetter für die Voralpen immer noch frühe Gewitter angesagt hatte, haben wir uns für den Jura entschieden. Auf unsere Whatsapp Meldung haben sich am Montagmorgen noch Päuli und Pius dazu gesellt. Mit so einer illustren Truppe ist es erst recht motivierend auf Strecke zu gehen. So machten wir uns zu viert nach Solothurn auf und weiter zum zweiten Treffpunkt bei der Talstation am Weissenstein.

Am Fusse des Weissensteins…
…hingen die Wolken noch tief und eine hohes Wolkenband brachte zusätzliche Abschattung. Nichts desto trotz fuhren wir motiviert mit der Gondelbahn den Berg hoch. Dass Armin nichts von sich hören liess, hat uns etwas stutzig gemacht. Ich wollte wissen was los war und rief ihn spontan an. Gerade erst aus dem Bett gekommen, hatte er am Telefon überrascht zur Kenntnis genommen, dass wir in den Jura gefahren sind. Wenn er das gewusst hätte… Er hatte noch erzählt, dass er sowieso noch seinen Notschirm falten müsse und deshalb, wenn überhaupt, erst später noch auf die Rotenflue fliegen gehen würde. Da nun alles klar war, wünschten wir uns gegenseitig tolle Flüge, so dass wir uns ja vielleicht in der Luft noch sehen, was natürlich nur als Spass gedacht war.

Am Startplatz angekommen
…war vorerst Warten angesagt. Der Blick Richtung Westen stimmte uns zuversichtlich, denn Richtung Biel hatte sich die Sonne bereits durchgesetzt und es bildeten sich in der Ferne erste Cumuli. So hatten wir keine Eile und gönnten uns noch ein feines „Znünizöpfli" im provisorischen Seilbahnbeizli bei der Bergstation, da sich das Aussichtsrestaurant gerade im Umbau und Renovation befand.
Frisch gestärkt begaben wir uns zum Startplatz, wo sich mittlerweile eine illustre Pilotenschar eingefunden hatten. Der Schatten wurde jetzt immer weniger und die Nebelbänke lichteten sich zusehens und so machten wir uns startklar.

Start
Als ich mich mit einem Rollstuhlfahrer, welcher sich gerade zum Gleitschirmpiloten ausbilden liess, in ein interessantes Gespräch verwickeln liess und anschliessend noch mit Christian Erne zu plaudern begann, verpasste ich beinahe die Starts meiner Begleiter. Subito mache ich mich nun parat, starte ebenfalls und flog den andern hinterher.
Zum Glück sind sie noch mit dem harzigen Einstiegsbedingungen beschäftigt, was es mir ermöglichte, rasch aufzuschliessen. Bei der Hasenmatt sind wir dann gemeinsam weiter Richtung Biel gezogen.

Nach Biel unterwegs
Päuli konnte vor dem Grenchenberg zusammen mit einem Boomerang an der höher gelegenen, hinteren Felsklippe entlangschleichen, wogegen Iwan und Pius die vorgelagerte Hügelkette bevorzugten. Ich versuchte Päuli zu folgen, kam dann aber gleichschnell wie die andern zum Grenchenberg. Gemeinsam flogen wir weiter Richtung Richtung Biel, wo die Thermik vom aufkommenden Westwind immer zerrissener wurde.
Päuli war immer noch voraus, drehte auf und riskierte anschliessend als Erster die Querung zur vorderen Kette. Gebannt haben wir ihm nachgeschaut, wie er diese nur knapp überfliegen konnte. Da ich viel tiefer war, wollte ich nicht‘s riskieren und blieb an der hinteren, 2. Krete. Päuli hingegen konnte die vordere Krete weiter nach Westen fliegen. Er kurbelte am Bözingerberg vor Biel wieder hoch und wagte gar eine weitere Querung an die Verlängerung zum Chasseral, wo er bei Orvin wieder wendete, um den Rückweg anzutreten.

1. Wende
Wir waren weiter zurück bei den Hügeln von Prés de la Montagne. Hier konnte sich die Thermik nur noch schwach entwickeln. So habe ich mich entschieden frühzeitig umzudrehen. Jetzt ist auch Pius bei mir angekommen und schloss sich ebenfalls an. So machten wir uns gemeinsam auf den Rückweg zum Weissenstein. Iwan wendete etwas früher und flog uns jetzt immer einen Schritt (Hügel) voraus. Da die Thermik nun zusehends besser wurde, war der Rückflug zum Weissenstein rasch bewältigt.

Weiter nach Osten
Am Weissenstein haben wir uns zu dritt wieder vereint. Im Startschlauch drehten wir nun gemeinsam.
Wie weiter? war nun die Frage. Nach kurzer Lagebesprechung über Funk war klar, dass wir noch Richtung Olten weiterfliegen. Zu dritt flogen wir nun zum Stierenberg und weiter zur Krete nach Oensingen.
Da die hintere Kette bei der Oberen Wengi besser zeichnete, habe ich mich spontan zur Talquerung entschieden. Iwan folgte mir. Pius zog es vor, vorne zu bleiben und flog noch bis zum Aussichtsrestaurant Hinteregg weiter. Er machte dann kehrt und flog wieder zurück nach Solothurn. Auch Päuli konnte nach der Rückkehr zum Startpunkt, seinen Flug Richtung Osten verlängern. Er flog noch bis zur Schmiedenmatt und kehrte dann ebenfalls wieder zum Landeplatz beim Ausgangspunkt zurück.
Iwan und ich waren zwischenzeitlich an der Wengi angekommen. Trotz kleiner Abschattungen konnten wir über der Krete rasch Thermik finden und drehten bis auf 1600m hoch. Höher konnte man nicht, da die TMA von Basel (ab 1750Meter) aktiv war.
Gemeinsam flogen wir nun nordöstlich zum Passwang Pass, wo ich knapp über der Krete ankam und dank dem sofort Anschluss an die nächste Thermik fand. Iwan kam unterhalb der Krete an und musste lange „kratzen“ um sich wieder hoch zu arbeiten. Er merkte, dass die Verhältnisse tiefer unten, stabil und harzig waren. Es brauchte Zeit um sich wieder hoch zu arbeiten, die er zu dem Zeitpunkt nicht mehr hatte.

Rasch weiter
Über dem „Beretenchopf“, welcher sich unmittelbar auf der vor mir liegenden Route befindet, hatte sich schon eine übergrosse Cumulus Wolke gebildet, welche bereits eine dunkle Basis aufwies. Dies veranlasste mich nur noch geradeaus zu fliegen. Im Dauersteigen von 2-3m/s ohne einzudrehen musste ich schon bald die Ohren anlegen, um nicht unmittelbar mit der TMA in Konflikt zu kommen.

Wo bleibt Iwan?
Ein Blick zurück zeigte mir, dass sich über dem westlichen Jura bereits erste Gewitter entluden und sich in unseren Rücken eine Wolkenwand näherte, die immer weiter nach Osten voran kam. Iwan war immer noch nicht zu sehen. Wo ist er bloss geblieben? Im Nachhinein erzählte er mir, dass er angesichts dieser Ausgangslage sicherheitshalber im Mümliswil landen ging.
Tatsächlich gab es nun derart starke Thermik, dass ich nun nur noch „delfinieren“ konnte. Einzig bei Olten musste ich nochmals etwas aufdrehen, um anschliessend ohne Kreis bis nach Aarau weiter zu fliegen. In diese Richtung waren die Wolken auch nicht mehr so mächtig. Das hatte auch seinen Grund, denn die Bise, welche sich im Osten hartnäckig gehalten hatte, wurde nun zunehmend spürbar.

Low Safe bei Aarau
Bei der Wasserflue angekommen, wurde ich nun unsanft vom Nordostwind derart runtergespült, dass ich schon nach einem Landeplatz Ausschau hielt. In dieser Situation (ca. 100 Meter über dem Boden) startete neben mir ein Bussard aus einem Baumwipfel und flog mir direkt vor den Schirm, quasi mit der unmissverständlichen Aufforderung, dass ich ihm folgen sollte. Dieser Aufforderung bin ich gerne gefolgt, hatte ich doch schon öfters solche Begegnungen mit Raubvögeln. Er flog einfach vom Hang weg in Richtung Stadt Aarau. Ja was jetzt? geradewegs zum Landeplatz? ..oder vielleicht doch noch zur rettenden Thermik über heissen Dächern? Tatsächlich über einer Wiese mitten im Dorf Küttingen, welche sich auch als Landeplatz geeignet hätte, fing der Vogel an einzudrehen. Schwupp und schon hat sich der Varioton vom Sinkalarm in ein schrilles Piepsen gewandelt. Das Vario zeigt mir sagenhafte 2,5 Meter Steigen an. Diesen Schlauch musste ich nun packen, wenn ich nicht am Boden stehen wollte. Bald habe ich das beste Steigen zentriert und der Bussard verabschiedete sich sogleich wieder von mir. Im Stechflug ging er wieder zurück wo ich ihn angetroffen hatte. „Danke Kumpel, ohne dich hätte ich diese Thermik nie gefunden“. An der gleichen Stelle ist kurze Zeit später Hans (habe ich im Frühjahr in San Fermo kennengelernt) abgesoffen. Er und ein Triple Seven Pilot waren mir bis dahin immer einen Schritt voraus geflogen. Als ich nun wieder die komfortable Höhe von 1700 Meter erreicht hatte, entschied ich mich übers Flachland weiter zu fliegen. Von dieser Höhe aus schien jeder Punkt im Mittelland im Gleitflug erreichbar.

Flachland - meine heimliche L…
Ich plante nun das Seetal und den östlich gelegenen Lindenberg mit der CTR Buttwil nördlich bei Lenzburg zu umfliegen. Dabei führte mich die Route über Aarau, Hunzenschwil, Lenzburg, Richtung Wohlen, das Freiamt hinauf. Dabei achtete ich immer in Richtung Ballungszentren zu fliegen, um wieder Thermik zu finden. Im Freiamt waren es dann grosse braune Äcker, die sich jeweils von der besten Seite zeigten. Inmitten dieser fand ich immer wieder zuverlässig die Schläuche. Es galt lediglich zu beachten, nicht zu hoch zu fliegen und damit in den verbotenen Luftraum (TMA von Zürich) vorzudringen. Mit viel Geduld und Sorgfalt gelang es mir jedoch das Flachland zu durchqueren (immer möglichst hoch bleiben, war dabei die Devise).

Begegnung mit Armin
Endlich über Baar angekommen fühlte ich mich bereits als „kleiner“ Adler.
Den Flug vom letzten Jahr hatte ich tatsächlich egalisiert, was mich schon ein bisschen stolz machte.
Plötzlich kreuzte mich über dem Ufer des Zugersees ein Omega X-Alps. Ich dachte noch zu mir, das ist ja der gleiche Schirm wie ihn Armin fliegt, ohne dabei zu realisieren, dass es sich tatsächlich um Armin handeln könnte.
Wow was für ein Zufall. Im Nachhinein wurde die dahingesagte Floskel während des morgendlichen Telefonats tatsächlich Realität. Einfach genial :-)))

Landung
Da sich östlich des Gottschalkenberg bereits grossflächig Gewitterschauer entluden und über dem Zugerberg die Wolken immer bedrohlicher wurden, habe ich mich entschieden tief zu bleiben und in Arth landen zu gehen.
Nach 6 ½ Stunden Flug hatte ich nun endlich wieder festen Boden unter den Füssen.
Eine innere Zufriedenheit und emotionale Glücksgefühle kamen in mir auf.
„Wow, Was für ein Wochenende, einfach geil!!“
…Auf jeden Fall besser, als mit dem Auto im Stau zu stehen :-)


Vielen Dank an Iwan, Päuli und Pius für dieses tolle Flugerlebnis.

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