Testberichte Advance

Test Advance Sigma 9 25 (75-100 Kg Fluggewicht), Bericht von Iwan vom 01.08.2014

Es war lange ruhig um die Traditionsmarke Advance. Personelle Änderungen innerhalb der Firma hatten auch auf die Produktepalette nicht unbedingt positive Auswirkungen. Nun scheint sich ein neues Team zusammen gefunden zu haben, welches die Produkte von Advance weiterentwickelt. Das erste für uns interessante Produkt ist der Sigma 9. Nachdem ich den Sigma 7 und Sigma 8 selber geflogen habe, war ich auf den neuen Sigma umso gespannter. Advance wird landläufig ja auch als der Rolls Royce der Gleitschirmmarken bezeichnet, zumindest preislich hält sich die Marke an ihr Image – mit CHF 4990 ist der Sigma wahrlich kein Schnäppchen.

Startvorbereitung/ -verhalten Was gleich positiv gefällt sind die Magnethalterungen der Bremsen. Diese halten gut und sind den Druckknöpfen von anderen Herstellern eindeutig vorzuziehen. Ansonsten neigen die unummantelten Kevlarleinen etwas zum verheddern – hier muss der Pilot sorgfältig sein, damit er nicht mit einem eventuellen Knoten startet. Leider sind die Bremsen, übrigens wie auch beim Ozone Delta 2 und Rush 4, über eine schmales und weiches Gurtband von ca. 5cm verbunden. Dies hat den Nachteil, dass die Bremse bei Unachtsamkeit rasch verdreht ist. Unserer Meinung nach sollte dieses Detail anders gelöst werden. Beim Carrera war dies vorbildlich gelöst worden. Beim Start muss der Sigma lange genug hochgeführt werden, er schiesst nicht hoch, man hat also genügend Zeit die Kappe zu kontrollieren – angenehm! Das Starten erfordert keine Tricks und ist einfach.

Einklapper Unbeschleunigte Klapper sind gut zu halten, ich habe keine Abreisstendenz festgestellt. Das Wegdrehen beim unbeschleunigten Klapper ist mässig. Bei beschleunigten Klappern (ca. 50% beschleunigt) dreht der Schirm rasch weg, kann aber auch hier gut abgefangen werden. Auf der noch offenen Seite klappte das Ohr mit ein, hat aber keinen Einfluss auf das Öffnungsverhalten der eingeklappten Seite. Die Wiederöffnung erfolgt meist vollständig selbständig – ergab bei mir einen sehr guten Eindruck.

Frontklapper Leider rutschte ich bei diesem Manöver ab und ich hatte danach nicht mehr genug Höhe, um einen zweiten Frontklapper zu provozieren. Ich kann deshalb dazu nicht viel aussagen.

Ohren Die Ohren können mit den gegabelten Gurten einfach eingezogen werden. Dabei schlagen die Ohren (vor allem im Vergleich zu anderen aktuellen Geräten dieser Klasse) fast nicht und das Manöver ist sehr gut zu kontrollieren. Die Flugrichtung kann dabei einfach kontrolliert werden – vorbildlich.

B-Stall Die Einleitung des B-Stalls erfordert noch einen ziemlichen Kraftaufwand, danach ist der B-Stall mit wenig Kraftaufwand zu halten. Der Schirm bleibt in Spannweiten-Richtung stabil. Die Ausleitung und das Anfahren erfolgen problemlos.

Flug Ich flog den Sigma 9 bei thermischen Bedingungen. Der Sigma 9 lässt sich über kurze Steuerwege sehr präzise steuern, wenn über diesen kurzen Steuerweg hinaus gebremst wird, steigt der Bremsdruck dann rasch an. Wer also einen Schirm mit Servolenkung und einem damit sehr wendigen Kurvenverhalten sucht, sollte den Sigma unbedingt testen. Diese Agilität zeigt sich auch bei der Rückmeldung der Kappe, die aus meiner Sicht etwas zu viel Feedback der umgebenden Luftbewegungen an den Piloten weitergibt. Die Bewegungen der Luft bei brodelnder Luftmasse werden direkt auf den Piloten übertragen – man spürt als Pilot eigentlich fast jede Luftbewegung. Diese Eigenschaft liess mich den Schirm als etwas nervös erscheinen. Auch hatte ich das Gefühl im beschleunigten Flug durch diese Eigenschaft immer bereit sein zu müssen, den Schirm zu stützen, damit er allenfalls nicht klappt.

Fazit Der Schirm eignet sich für Piloten, welche einen Schirm mit einem knackigen Handling suchen und ein überschaubares Flugverhalten von einem C-Schirm erwarten. Allerdings sprengt der Sigma 9 keine neuen Leistungsgrenzen. Er befindet sich aus meiner Sicht im Mittelfeld der derzeitigen B- und C-Klasse-Geräte. B- und C-Klasse deshalb, weil für mich ein UP XC Summit oder ein Gin Carrera eher der Klasse C zuzuordnen sind.

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